Der Abbau von Bürokratie hat höchste Priorität für mich
Interview von Bundesminister Alois Rainer mit dem "Straubinger Tageblatt"
Frage: Herr Minister Rainer, kürzlich fand im Landkreis Straubing-Bogen ein von einem Landwirt organisiertes Mahnfeuer gegen das Mercosur-Abkommen statt. Die Bauern befürchten vor allem die Konkurrenz durch billigeres Rindfleisch aus Südamerika und den Einsatz von in Deutschland längst verbotenen Pestiziden bei der Erzeugung von Feldfrüchten. Sie haben schon wiederholt betont, Sie stehen zu Mercosur. Immer noch?
Alois Rainer: Das Mercosur-Abkommen ist ein wichtiger Bestandteil einer starken europäischen Handelspolitik in geopolitisch herausfordernden Zeiten. Gleichzeitig gilt für mich klar: Freihandel darf nicht zulasten unserer Landwirtinnen und Landwirte gehen – gerade auch nicht den Landwirten in Bayern. Deshalb geht es nicht um eine unkontrollierte Marktöffnung, sondern um klare Leitplanken. Für sensible Bereiche wie Rindfleisch oder Zucker enthält das Abkommen verbindliche Schutzklauseln. Importmengen sind begrenzt, und wenn Preise unter Druck geraten oder es zu Marktverwerfungen kommt, greifen diese Schutzmaßnahmen. Das ist Voraussetzung dafür, dass offener Handel akzeptiert wird. Zugleich bietet Mercosur Chancen für unsere Wirtschaft, auch für landwirtschaftliche Betriebe etwa im Milchbereich, die stärker auf Exportmärkte angewiesen sind. Entscheidend ist dabei: Für alle importierten Produkte gelten uneingeschränkt die hohen europäischen Standards. Meine Überzeugung ist: Internationale Abkommen müssen den Menschen vor Ort nutzen und die heimische Landwirtschaft wirksam schützen. Nur dann sind sie tragfähig.
Frage: In der Schweiz und Österreich dürfen Kühe im Stall nicht mehr angebunden werden. Warum ist das in Deutschland nicht durchsetzbar?
Alois Rainer: Fest steht: Die ganzjährige Anbindehaltung ist kein Zukunftsmodell mehr. Der Blick zu unseren Nachbarn nach Österreich zeigt, dass es mit der sogenannten Kombihaltung bereits praxiserprobte Ansätze gibt: Während die Tiere im Sommer auf der Weide sind, ist im Winter eine Anbindung im Stall weiter möglich. Ich habe mir kürzlich in Österreich ein Bild davon gemacht, ob das auch eine Lösung für unsere Betriebe sein kann. Wir arbeiten mit allen Beteiligten an Konzepten, die Tierwohl sichern und zugleich den besonderen regionalen Bedingungen der Almwirtschaft gerecht werden.
Frage: Markus Söder hat bei Ihrem Amtsantritt vom schwarzen Metzger, der nach dem den grün-veganem Özdemir jetzt Landwirtschaftsminister wird, gleich Schlagzeilen gemacht. Hat Ihnen das nicht mehr geschadet als geholfen?
Alois Rainer: Ich bin Metzgermeister und Mitglied der CSU, passt doch. Worum es doch eigentlich geht, ist, dass es mit mir einen klaren Kurswechsel in der Agrarpolitik gibt, ein ganz anderes Mindset als zuvor. Seit meinem Amtsantritt setze ich konsequent auf Vertrauen statt Misstrauen, auf Gespräche auf Augenhöhe und auf Wertschätzung für die Praxis. Keine Bevormundung, kein schlechtes Gewissen bei der Ernährung, wer Fleisch essen möchte, soll das tun. Der Abbau von Bürokratie hat höchste Priorität für mich. Es ist Zeit, dass der Schreibtisch nicht mehr die zeitaufwendigste Ackerfläche ist.
Frage: Als langjähriger Bundestagsabgeordneter haben Sie den Politbetrieb in Berlin vor Ihrer Ernennung zum Minister gut gekannt. Was hat Sie bei Ihrer Arbeit als Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat dennoch überrascht?
Alois Rainer: Das enorme Ausmaß des Vertrauensverlustes in die Politik hat mich überrascht. Also, wie viel Vertrauen in den vergangenen Jahren bei Landwirten und den Beteiligten der gesamten Wertschöpfungskette in die Agrar- und Ernährungspolitik verloren gegangen ist. Genau deshalb arbeite ich jeden Tag konsequent daran, dieses Vertrauen wieder aufzubauen. Entlastungen unserer Betriebe stehen daher ganz oben auf meiner Agenda: Deshalb ist die Agrardieselrückvergütung wieder da, die landwirtschaftlichen Höfe werden bei der Stromsteuer entlastet und wir bauen Schritt für Schritt bürokratische Hürden ab.
Quelle: Straubinger Tageblatt vom 28.01.2026
Fragen von Alexandra Beck