Letzter Tag als OSL-Landrat, das war der emotionalste Moment
Es wurde gesungen, gelacht – und mehrfach geschluckt. Beim Abschied von OSL-Landrat Siegurd Heinze im Kulturhaus Klettwitz wurde es persönlich. Wenn 200 Promis das „Steigerlied“ singen.
Wenn sich rund 200 Menschen im Kulturhaus Klettwitz (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) von ihren Plätzen erheben und gemeinsam das traditionelle Bergmannslied „Glück auf, der Steiger kommt“ singen, da bleibt die Gänsehaut nicht aus.
Und es war nicht der einzige emotionale Moment bei der Verabschiedung von Siegurd Heinze - einem Mann, der die Kommunalpolitik der Lausitz über Jahrzehnte geprägt hat.
Der scheidende Landrat (parteilos) des Landkreises Oberspreewald-Lausitz wurde am Freitag, 8. Mai 2026, feierlich verabschiedet. Unter den Gästen: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), Staatskanzleichefin Kathrin Schneider (SPD), zahlreiche Bürgermeister, Landräte und Unternehmer - darunter auch BASF-Geschäftsführer Jürgen Fuchs. Ebenso anwesend: Heinzes Familie.
Gregor-Ness: Siegurd Heinze kann mit elf Bällen jonglieren
Immer wieder wurde es persönlich. Die Kreistagsvorsitzende Martina Gregor-Ness (SPD) sprach nicht von Aktenbergen oder Sitzungssälen. Sie zeichnete ein anderes Bild von Siegurd Heinze. Heinze sei für sie wie ein Jongleur gewesen. Einer, „der mit beeindruckender Leichtigkeit und umso mehr Ruhe viele Bälle gleichzeitig in der Luft hielt“.
Elf „Bälle“ habe sie gezählt: Bürger, Kreisverwaltung, Kreistag, Landkreistag, Sparkasse, Zweckverbände, Familie und viele weitere Aufgaben. Heinze habe all das nicht nur kurz balanciert, sondern „über 16 Jahre hinweg“. Gregor-Ness appellierte an den scheidenden Landrat, im Ruhestand Prioritäten neu zu setzen. „Nimm dir die Freiheit, auch mal einen Ball nicht in die Luft zu werfen.“
Dazu überreichte sie ihm symbolisch eine große Zuckertüte - „weil schließlich auch der Ruhestand beginnt“.
Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) rang sichtbar um Fassung. Der Weg nach Klettwitz sei ihm „sehr, sehr schwer gefallen“, sagte er. „Es ist schon viel Wehmut dabei.“ Woidke erinnerte an Heinzes Wurzeln im Bergbau und an dessen politischen Weg vom ehrenamtlichen Bürgermeister in Meuro bis zum Landrat. Heinze habe Verantwortung nie halbherzig übernommen. „Du warst nie irgendetwas nur halbherzig. Du hast es immer mit voller Energie und vollem Einsatz gemacht.“
Woidke würdigt Heinze als einen der „erfolgreichsten Landräte“
Besonders eindringlich sprach Woidke über die Corona-Pandemie. Viele Entscheidungen seien schwer gewesen. Heute würde man manches anders machen. Trotzdem habe Heinze immer zu Verantwortung gestanden und Entscheidungen nicht aufgeschoben, so Woidke.
Der Ministerpräsident würdigte auch Heinzes Rolle weit über OSL hinaus - etwa als Präsident des Landkreistages Brandenburg. Er nannte ihn „einen der erfolgreichsten Landräte im Land Brandenburg“.
Mehrfach richteten beide Redner ihren Blick auf Heinzes Familie. Ohne die Unterstützung seiner Frau und Angehörigen wäre diese politische Laufbahn nicht möglich gewesen, sagte Woidke. Vielleicht könne Heinze nun „ein bisschen was zurückgeben - nämlich vor allen Dingen Zeit“.
Mit dem Ende seiner Amtszeit am 8. Mai 2026 verabschiedet sich Heinze nach mehr als drei Jahrzehnten aus der aktiven Kommunalpolitik. Seit 1990 war er politisch aktiv - zunächst als Gemeindevertreter und Ortsvorsteher, später als Bürgermeister, Amtsdirektor und schließlich seit dem Jahr 2010 als erster direkt gewählter Landrat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz.
Von Jan Augustin
Bild zur Meldung: Von Jan Augustin