Landrat Siegurd Heinze hört auf und zieht Bilanz
Mehr als drei Jahrzehnte Kommunalpolitik – jetzt hört er auf. Kurz vor dem Abschied blickt der Landrat des OSL-Kreises Siegurd Heinze zurück. Und spricht offen über Erfolge und Fehler.
Wenn Siegurd Heinze auf seine politische Laufbahn zurückblickt, dann klingt da beides mit: Stolz – und Nachdenklichkeit. Mehr als 30 Jahre hat er Kommunalpolitik in der Region geprägt, zuletzt 16 Jahre als Landrat. Jetzt endet diese Zeit.
„Mich hat immer gereizt, gestalten und etwas bewegen zu können“, sagt Heinze. Politik sei für ihn nie Selbstzweck gewesen, sondern die Möglichkeit, Entwicklungen konkret zu beeinflussen. Was ihn getragen habe, seien sichtbare Ergebnisse gewesen – „Dinge, die bleiben und Wirkung entfalten“.
Solche Momente gab es viele. Heinze nennt große Projekte, die die Region verändert haben. Als Bürgermeister etwa den Bau des Lausitzrings oder den Windpark auf den Klettwitzer Höhen. Später, als Landrat, vor allem das Lausitzer Seenland. Die Freigabe des Koschener Kanals 2013, der wachsende Seenverbund – für ihn Meilensteine eines tiefgreifenden Strukturwandels.
Auch aktuell sieht er die Region in Bewegung. Projekte wie Datacenter oder „Gurkenwelt“ in Lübbenau, das Leistungszentrum Lausitz in Schwarzheide – für Heinze sind das Zeichen, dass sich der Wandel fortsetzt. „Ich bin davon überzeugt, dass sich die aktuellen Bemühungen auszahlen werden“, sagt er.
Siegurd Heinze blickt kritisch auf die Corona-Zeit in OSL
Doch der Rückblick bleibt nicht bei Erfolgen stehen. Heinze wirkt an diesen Stellen nüchtern. „Ja, selbstverständlich gibt es solche Punkte“, sagt er zu Entscheidungen, die er heute anders treffen würde. Vor allem die Corona-Zeit nennt er. Mit dem Wissen von heute würde er restriktive Maßnahmen kritischer sehen, Kontaktbeschränkungen „in bestimmten Phasen weniger streng ausgestalten“.
Seine Amtszeit war geprägt von Krisen. Zu Beginn standen Schulden und Haushaltsdefizite im Mittelpunkt, verbunden mit Personalabbau. Später folgten neue Belastungen: Asylpolitik, Pandemie, Afrikanische Schweinepest, die Folgen des Ukraine-Krieges. Immer wieder ging es darum, den Landkreis handlungsfähig zu halten. „Aus Notlagen heraus erwachsen aber auch immer neue Entwicklungen und Chancen“, sagt Heinze.
Die Kritik, Politik sei zu weit von den Menschen entfernt, lässt er so nicht stehen. Gerade auf kommunaler Ebene sei sie unmittelbar. Gleichzeitig formuliert er eine Grenze: „Jeden Einzelnen kann man nicht erreichen. Wer das von sich behauptet, ist ein Träumer.“
So bewertet Landrat Heinze das starke Abschneiden der AfD
Dass sich viele Menschen dennoch nicht mehr angesprochen fühlen, zeigt die Wahlbeteiligung. Heinze relativiert, sie sei im Vergleich zu früher gestiegen. Dennoch sieht er Handlungsbedarf. Politik müsse zuhören, erklären, verständlich bleiben. „Menschen lassen sich nur dann besser einbinden, wenn sie spürbar beteiligt und gehört werden.“ Es brauche mehr Klartext und einen offenen Diskurs – auch jenseits zugespitzter Debatten im Netz.
Das starke Abschneiden der AfD bewertet er weiterhin als „problematisch und besorgniserregend“. Die Ursachen sieht er weniger in der Kommunalpolitik als auf Bundes- und Landesebene. Gleichzeitig räumt er ein: Vor Ort müsse sichtbarer werden, was Politik leistet. „Es gibt viele positive Entwicklungen, die im Alltag ankommen, aber oft nicht ausreichend wahrgenommen werden.“
Kontrovers war auch die Entscheidung zur Nichtverlängerung des Intendantenvertrags an der Neuen Bühne Senftenberg. Heinze betont, sie sei „einstimmig“ und „wohl bedacht“ gefallen. Gespräche mit Beteiligten hätten die Entscheidung getragen. Zugleich bekennt er sich klar zum Theater als kulturellem Zentrum der Region – und blickt nach vorn auf eine neue Intendanz.
Der Abschied selbst fällt ihm nicht leicht. „Ein wenig schon“, sagt Heinze. Landrat zu sein, sei „auf der kommunalen Ebene das höchste Amt“. Er habe diese Aufgabe immer als Ehre und Verpflichtung verstanden. Jetzt gehe er „nicht mit Wehmut, sondern mit Demut“ in den Ruhestand.
Frau und Kinder halten Papa Siegurd Heinze den Rücken frei
Ein klarer Plan für die Zeit danach fehlt bewusst. Verpflichtungen in der Wirtschaft habe er nicht übernommen. Nach Jahrzehnten im Dienst wolle er zunächst ankommen. Der Wechsel werde ungewohnt sein – nach 15 Jahren im Bergbau und 33 Jahren im öffentlichen Dienst.
Was bleibt, ist mehr Zeit für die Familie. Vier Enkelkinder nennt Heinze. Ohne seine Familie wäre dieser Weg ohnehin nicht möglich gewesen. „Meine Ehefrau und meine Töchter haben mir den Rücken freigehalten“, sagt er. Das habe Kraft gekostet – und sei nicht immer konfliktfrei gewesen. „Das Familienleben musste sich der Arbeit oft unterordnen.“
Am Ende stehe Dankbarkeit. Und ein leiser Übergang: Am 8. Mai endet seine Amtszeit mit einer feierlichen Verabschiedung im Kulturhaus Klettwitz. Einen Tag später wird Siegurd Heinze 65 Jahre alt.
Vom Elektromonteur in der Kohle zum Landrat in Oberspreewald-Lausitz
Siegurd Heinze, 1961 in Lauchhammer-Ost geboren, prägt seit Jahrzehnten die Kommunalpolitik in Südbrandenburg. Der diplomierte Elektroingenieur startete seine Laufbahn in der Braunkohle im Tagebau Klettwitz-Nord und im Kraftwerk Freienhufen, bevor er 1990 ehrenamtlicher Bürgermeister seines Wohnortes Meuro wurde. Nach Stationen als Amtsdirektor und Bürgermeister von Schipkau übernahm er im Februar 2010 das Amt des Landrats im Landkreis Oberspreewald-Lausitz.
Neben seiner Rolle als Landrat von Oberspreewald-Lausitz bekleidet er zahlreiche einflussreiche Ämter, unter anderem als Präsident des Landkreistages Brandenburg, Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Niederlausitz, Vorsitzender der Verbandsversammlungen der Zweckverbände Lausitzer Seenland Brandenburg und des Theaters Neue Bühne Senftenberg. Im Juni 2025 kündigte Heinze an, bei der Landratswahl 2026 nicht erneut zu kandidieren.
Privat ist der Oberbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Schipkau seit 1985 verheiratet und Familienvater von zwei Töchtern und vier Enkeln. Siegurd Heinze ist evangelisch. Er gehört keiner Partei an.
Artikel von Jan Augustin / LR
Bild zur Meldung: Siegurd Heinze beim Dorfstammtisch / Foto: M. Franke










