Hafen am Sedlitzer See ist trotz Großbaustelle jetzt frei
Großer Tag im Lausitzer Seenland: Der Sedlitzer Hafen kann ab sofort genutzt werden. Wer ihn ansteuert, sollte aber eines bedenken. Sonst droht Ungemach.
Sechs Ortsteile zählt die Stadt Senftenberg. Einer von ihnen ist Sedlitz. Am 1. März 1997 jährt sich die Eingemeindung in die nahe Kreisstadt bereits zum 30. Mal. In der jüngeren Vergangenheit stand Sedlitz nicht gerade für Anmut, Schönheit und Leben in einer landschaftlich reizvollen Umgebung. Denn zwei Tagebaue, Sedlitz und Meuro, engten das Leben im Ort erheblich ein. Letztendlich bewahrten nur die Fernstraße von Senftenberg nach Cottbus sowie zwei Bahntrassen Sedlitz vor der Devastierung.
Nach dem Ende des aktiven Bergbaus rückten die Bergbausanierer an. Allmählich wandelten sich der Tagebau Sedlitz zum Sedlitzer See sowie der Tagebau Meuro zum Ilse- und später zum Großräschener See. Sprengverdichtungen, Massentransporte und weitere Belastungen mussten die Sedlitzer ertragen. Hinzu kam die jahrelange Sperrung der B96/B169, bedingt durch Risse im Asphalt, die auf alte bergbauliche Entwässerungsstrecken zurückgeführt wurden.
Doch längst wandelt sich das Bild von Sedlitz. Inzwischen ist der knapp 1000 Einwohner zählende Stadtteil keine Insel mehr zwischen Tagebauen, sondern im Herzen des Lausitzer Seenlands gelegen. Und 2026, dem vom neuen OSL-Landrat Alexander Erbert (CDU) ausgerufenen „Seenland-Jahr“, geht es plötzlich Schlag auf Schlag.
Am 24. April wurde der Sedlitzer See für schiffbar erklärt. Es darf gebadet und Boot gefahren werden. Am 12. Mai folgte die Wiederfreigabe des schwimmenden Stegs im Sedlitzer See. Ebenso die Einweihung des unmittelbar benachbarten Infopunktes mit den Schwerpunkten „Vom Bergmann zum Seenland“ sowie der Natur der Region.
Im Hafen Sedlitz gibt es noch freie Bootsliegeplätze
Und schließlich darf seit diesem Dienstag, 19. Mai, der Sedlitzer Hafen von jedermann genutzt werden. Seit nunmehr neun Jahren baut dort der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB). Zunächst wurden die Medien verlegt, dann Zufahrtsstraße und Parkplätze erbaut. Schließlich erfolgte die Einbringung der Dalben ins Hafenbecken. Und final die Installation der zwei Steganlagen inklusive der dazugehörigen Fingerstege. Insgesamt stehen jetzt 36 Liegeplätze zur Verfügung, davon 19 für die Sedlitzer Wassersportler, 17 für Dauerlieger und Wasserwanderer.
Symbolischer Banddurchschnitt für die Freigabe des Hafens am Sedlitzer See mit den entsprechenden Protagonisten. Durch den besonderen Einsatz von LMBV-Geschäftsführer Bernd Sablotny (l.) wurde die Freigabe der Restlochkette in diesem Jahr erst greifbar.
Und das Beste ist, dass es noch freie Dauerliegeplätze gibt. Konkrekt zum halben Preis wie im Senftenberger Stadthafen, erklärt Martin Wolf vom Zweckverband LSB. Wer einen haben möchte, sollte sich an Hafenmeisterin Ulrike Herrmann in ihrem Büro am Stadthafen wenden. Darüber hinaus gibt es eine Slipanlage, die über einen vier Meter breiten Granitweg erreichbar ist.
Warum der Hafen am Sedlitzer See eigentlich noch Baustelle ist
Und dennoch ist es ein ungewohntes Bild, das sich derzeit am Sedlitzer Hafen bietet. Rund um das Ensemble befinden sich nämlich Bauzäune, liegen Erdhaufen und steht ein hoher Kran. Der asphaltierte Uferrundweg sieht erst halb fertig aus. Tatsächlich seien die Arbeiten noch voll im Gang, sagt Martin Wolf. Und Wasserwanderer sollten in der Saison 2026 dort noch nicht allzu viel erwarten. Wer beispielsweise im Sedlitzer Hafen eine Toilette nutzen möchte, hat ein Problem. Denn es gibt keine. „Bis Anfang Juli könnte ein WC-Container aufgestellt werden“, kündigt Wolf an.
Das solle sich ab der Saison 2027 ändern. Der Grund findet sich gleich nebenan. Denn östlich des Hafenbeckens wird das Multifunktionsgebäude in Form eines umgedrehten Kanus in die Höhe wachsen. Dort werden sich neben den Toiletten und Sanitärbereichen auch die Räume des Ortsbeirates sowie ein Saal für die Einheimischen befinden. Das Fundament ist bereits vollendet. Es ruht auf einem stabilen Geogitter. Dieses musste auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern aufgrund der bergbaulichen Vergangenheit des Bodens eingebaut werden. Das eigentliche Kanu-Haus werde eine Grundfläche von 380 Quadratmetern umfassen.
Des Weiteren entstehen die Freianlagen, darunter Landliegeplätze und ein öffentlicher Badestrand. Hinzu kommen jeweils fünf Meter hohe Lichtmasten, zehn an der Zahl. Im kommenden Jahr werde alles fertig sein, heißt es vom Seenland-Zweckverband.
Fahrtrinne wird im Herbst temporär dichtgemacht
„Der Hafen wird das neue Eingangstor von Sedlitz“, resümiert der neue OSL-Landrat Alexander Erbert. Schließlich avanciere der Sedlitzer See zur Drehscheibe in der Lausitzer Restlochkette. Ab 29. Juni werden die drei Kanäle zum benachbarten Großräschener, Partwitzer und Geierswalder See freigegeben. Damit steht Bootstouren von Senftenberg nach Großräschen nichts mehr im Weg.
Bernd Sablotny, Geschäftsführer von Bergbausanierer LMBV, stellt indes eine vorübergehende Sperrung der Fahrwasserrinne über den Winter 2026/2027 in Aussicht. In diesem Zeitraum sollen dann sämtliche noch bestehenden Hindernisse aus dem Weg geräumt sein und damit die nutzbare Fläche vergrößert werden. Tatsächlich ist der Sedlitzer Hafen vom Hauptbecken des Sedlitzer Sees bislang nur über eine schmale, ausgetonnte Fahrrinne erreichbar. Sablotny hat daran auch persönliches Interesse. Schließlich wolle er sein Boot künftig im Sedlitzer Hafen parken, kündigt er an.
Tag der offenen Baustelle am Sedlitzer Kanu-Haus
Am Sonnabend, 30. Mai, wird an den Sedlitzer See zum Tag der Baukultur Brandenburg eingeladen. Konkret geht es um die Großbaustelle für das neue Multifunktionsgebäude am Sedlitzer Hafen. Dieses besitzt die Form eines umgedrehten Kanus. Das Fundament ist bereits vollendet, demnächst soll der Hochbau beginnen. Als Bauherr fungiert der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB).
Nach Angaben von Martin Wolf vom Zweckverband LSB kann die Baustelle zwischen 10 und 16 Uhr besichtigt werden. Jeweils um 10.30 Uhr, um 12.30 Uhr sowie um 14.30 Uhr werde es Führungen geben. Dafür seien keine Anmeldungen notwendig.
Das Kanu-Haus soll im Jahr 2027 in Betrieb gehen. Es bietet unter anderem die sanitären Anlagen für die Wasserwanderer, einen Saal für die Sedlitzer sowie das Büro des Ortsvorstehers. Zu erreichen ist das Gebäude über die neue Zufahrt zum Sedlitzer Hafen beziehungsweise von der B96/B169 über die Raunoer oder die Weststraße.
von Torsten Richter-Zippack / LR
Bild zur Meldung: Hafen am Sedlitzer See ist trotz Großbaustelle jetzt frei










