Klaus Prietzel verlässt das Rathaus, das ist die Bilanz
In der Gemeinde Schipkau endet eine Ära. Bürgermeister Klaus Prietzel übergibt nach 16 Jahren an seinen Nachfolger. Das gibt er ihm auf den Weg.
Denkt der scheidende Schipkauer Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) an seine Anfangszeit als Rathauschef, empfindet er gegensätzliche Gefühle. Zum einen war da die Freude über die gewonnene Wahl und das große Vertrauen der Einwohnerschaft. Zum anderen gehörten seine Gedanken seiner Frau Karen und den beiden, damals kleinen Kindern. „Meine Frau hatte eine schwere Operation. Ich war neuer Bürgermeister und stand mit den Kindern plötzlich allein da. Das waren ganz schwere Wochen“, erinnert sich der heute 59-Jährige. Glücklicherweise wurde seine Frau wieder vollständig gesund. „Sie steht immer hinter mir. Und dafür bin ich ihr so dankbar.“
Auch deshalb hat sich Klaus Prietzel gegen eine dritte Wahlperiode als Bürgermeister entschieden. Der Familie wolle Prietzel künftig eine ganz hohe Priorität einräumen. Frau und Kinder mussten in den vergangenen Jahren wegen seiner Tätigkeit oft genug zurückstecken. Dafür solle es nun einen gewissen Ausgleich geben. Eine neue hauptberufliche Tätigkeit strebt Prietzel nicht mehr an.
Neben der eigenen Familie wolle er sich ehrenamtlichen Aufgaben widmen. Und auch da gibt es eine Menge zu tun. Schließlich ist der Schipkauer eigenen Angaben zufolge Mitglied in sieben Vereinen, in zweien sogar deren Vorsitzender. Nicht zuletzt sei der Sport während der Bürgermeisterzeit zu kurz gekommen. Prietzel gilt als begnadeter Fußballer. Der Sportplatz seines Heimatvereins Askania Schipkau liegt nur einen Steinwurf vom Grundstück entfernt.
Viele Schipkauer wunderten sich, als der Rathauschef im vergangenen Jahr seinen Rückzug aus der Verwaltung angekündigt hatte. Stattdessen wurde am 11. Januar 2026 der Hörlitzer Ortsvorsteher Thomas Nützsche (parteilos) mit Zweidrittel-Mehrheit auf den Chefsessel gewählt. Am 9. Juni wird Prietzel verabschiedet, einen Tag später tritt Nützsche sein Amt an.
Schulden in Schipkau runter, Rücklage hoch
Klar, dass es nach 16 Jahren Zeit für eine Bilanz wird. Und diese sieht alles andere als schlecht aus. Beispielsweise bei einem Blick in die Gemeindekasse. Lag etwa die Pro-Kopf-Verschuldung in Schipkau im Jahr 2010 bei 801,90 Euro, hat sich diese im laufenden Jahr auf 142 Euro reduziert. Stattdessen wuchs die Rücklage in der Kasse von 439.000 Euro auf sieben Millionen Euro an. Aber wie ist das möglich? Bei vielen anderen Gemeinden, auch in der Region, verlief die Entwicklung genau andersherum.
Klaus Prietzel führt dieses Phänomen auf eine jederzeit solide Haushaltsführung zurück. Aber dennoch sei eine Menge gebaut worden. Beispiele seien der Anbau der Krippe an die Kita in Schipkau, der Anbau für die Grundschule Schipkau sowie der Neubau des Hortes in Annahütte. Hinzu kämen mindestens zehn grundsanierte Gemeindestraßen. Vereinsgebäude seien durchsaniert, zuletzt das Haus in Annahütte. Das Gleiche gelte für die Feuerwehrgerätehäuser. Am 6. Juni werde das neue Gerätehaus in Klettwitz eingeweiht. Möglich geworden seien all diese Vorhaben durch das Abschöpfen entsprechender Fördermittel.
Darüber hinaus verweist Klaus Prietzel auf seine schlanke Verwaltung. Diese zähle lediglich 27 Mitarbeiter, vor 16 Jahren seien es 30 gewesen. „Zudem haben wir lediglich einen Verwaltungssitz und damit kurze Wege“, sagt der Bürgermeister. Nicht zuletzt habe sich die Verwaltung erheblich verjüngt. Fast die Hälfte der Kollegen sei in den vergangenen 16 Jahren in den Ruhestand gewechselt. So sei der Altersdurchschnitt deutlich abgesunken, auf nunmehr 42,6 Jahre.
So steht der Bürgermeister zu Flugplatz und Fliegern
Klar gab es in Prietzels Amtszeit auch Themen, welche die Emotionen hochkochen ließen und bis heute lassen. Paradebeispiel bildet die Umnutzung des Flugplatzes in ein Industrie- und Gewerbegebiet. Der Bürgermeister betont, dass sich das Zugehen auf den dort ansässigen Aero-Club nicht ausgezahlt habe.
Eine gemeinsame Nutzung des rund 130 Hektar großen Areals mit Fliegern und Industrie komme für ihn nicht infrage. Stattdessen plädiert der Schipkauer für eine bessere Auslastung der Flughäfen in der Region, insbesondere in Dresden. Letztendlich haben aber die Schipkauer Gemeindevertreter entschieden, mit dem Auto-Club wieder Gespräche aufzunehmen, was auch Ende April geschehen ist.
Keine Niederlage, aber die Bagger-Geschichte schmerzt
Eine „richtige Niederlage“ während seiner Amtszeit habe es nicht gegeben, sagt Klaus Prietzel. Ärgerlich sei aber, dass man mit der Bagger-Landmarke auf der Hörlitzer Kippe nicht weitergekommen sei. Eigentlich wollten die drei Eigentümerkommunen das völlig marode Stahlungetüm verschrotten, bevor der Denkmalschutz es kurzerhand unter seine Fittiche nahm. Das ist bereits etliche Jahre her, und der Bagger rostet weiter vor sich hin. „Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden, die auch der Denkmalschutz mitträgt“, sagt Prietzel. Die komplette Erhaltung sei aber aus seiner Sicht unrealistisch.
Am 10. Juni beginnt die achtjährige Amtszeit des neuen Bürgermeisters Thomas Nützsche. Er ist nicht Prietzels Wunschkandidat. Stattdessen hatte der Bürgermeister auf Petra Quittel (CDU) gesetzt, die Vorsitzende der Gemeindevertretersitzung ist. Was Klaus Prietzel seinem Nachfolger rät? „Auf seinen Wahlplakaten war zu lesen, dass er nicht über den Menschen stehe, sondern mit ihnen. Das sollte Thomas Nützsche einhalten.“ Des Weiteren seien die Mitarbeiter der Gemeinde Goldstaub. „Auch mein Nachfolger wird auf jeden Einzelnen angewiesen sein. Das sollte er nie vergessen“, so Prietzel weiter.
Das ist Klaus Prietzel – ein Steckbrief
Der scheidende Schipkauer Bürgermeister wurde am 7. Mai 1967 in Annahütte geboren. Er hat zwei Geschwister, einen Bruder und eine Schwester. Nach dem Abschluss der Schule erfolgte eine Ausbildung als Instandhaltungsmechaniker für Tagebau-Großgeräte in der Region.
Im Mai 1990 ist Prietzel in den Schipkauer Gemeinderat gewählt worden. Seine Motivation: „Man wollte damals die Reinigungskraft bei Askania Schipkau entlassen. Durch unser Engagement wurde diese Frau weiterbeschäftigt.“ Klaus Prietzel baute den Gemeindebauhof auf und wurde dann dessen Leiter.
Im Jahr 2010 wurde er zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Schipkau gewählt. Vorgänger war der damals neue Landrat Siegurd Heinze. Nach seinem Ausscheiden aus dem Schipkauer Rathaus strebt Klaus Prietzel keine politischen Ämter mehr an. Gleichwohl werde er die Entwicklung seiner Heimatgemeinde mit großem Interesse weiterverfolgen, kündigt er an.
Bild zur Meldung: Abschieds-Rede im Klettwitzer Kulturhaus










